Lymphologicum

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Lipödem - Behandlung

Wie wird ein Lipödem behandelt?

Lipödeme sind nicht heilbar. Dennoch müssen Lipödeme unbedingt behandelt werden und die Probleme lassen sich meist deutlich reduzieren. Lipödeme sind eine Erkrankung, nicht einfach nur eine „ausgeprägte" oder „unvorteilhafte" Figur, die man eben hinzunehmen hat.
Wenn ein Lipödem nicht behandelt wird, verändert sich das Fettgewebe immer mehr, wird immer voluminöser und Folgeerkrankungen kommen hinzu. Die Behandlung reduziert Gewebeverdickungen und schädliche Folgen und verhindert eine Verschlimmerung.
Grundsätzlich ist wichtig, dass vor Behandlungsbeginn eine ganzheitliche Diagnose vorliegt, denn ein Lipödem darf nie isoliert betrachtet werden. Ist z.B. das Lipödem mit starkem Übergewicht kombiniert, muss auch dagegen etwas unternommen werden. Ist das Herz überlastet, muss die Herzleistung stabilisiert werden, sonst könnte der Organismus durch die Folgen des Lipödem-Abbaus überlastet werden.

Nachfolgend die wichtigsten Behandlungsansätze bei Lipödemen:

  • KPE: Komplexe physikalische Entstauungstherapie
  • MLD: Manuelle Lymphdrainage
  • Lymphologischer Kompressionsverband
  • MKS: Medizinischer Kompressionsstrumpf
  • Unterscheidung verschiedener Strümpfe
  • Bewegungsübungen in Kompression
  • Hautpflege
  • Liposuktion (Fettabsaugung)

Die KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) wird in Zusammenhang mit Lipödemen auch als „konservative" Therapie bezeichnet, im Gegensatz zur „operativen" Therapie, der Liposuktion. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass nach einer Liposuktion immer eine KPE durchgeführt werden muss, denn ein Lipödem ist nicht heilbar.

KPE: Komplexe physikalische Entstauungstherapie

Die KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) entfernt bei einem Lipödem Lymphflüssigkeit aus dem Fettgewebe. Das „K" im Namen steht für „Komplex" und zeigt an, dass die Therapie aus mehreren Bausteinen besteht.
Wichtig ist: Die KPE muss mit allen ihren Teilen konsequent und langfristig umgesetzt werden. Dann haben Patienten beste Chancen, beschwerdefrei zu werden. Wenn ein Teil vernachlässigt wird, verlieren auch alle anderen Teile erheblich an Wirkung.

Die KPE besteht aus zwei Phasen:

  • Initialphase (Anschubphase, Entstauungsphase): In der Regel in einer Klink, drei Wochen lang, bei Bedarf jährlich wiederholt
  • Erhaltungsphase: laufend

Die KPE hat vier Bausteine:

  • Manuelle Lymphdrainage
  • Kompression
  • Bewegungsübungen
  • Hautpflege

MLD: Manuelle Lymphdrainage

Die MLD ist eine spezielle Massageart, welche das Lymphsystem stimuliert, mehr Lymphe abzutransportieren. Damit entsteht eine Art Sog, der dafür sorgt, dass Lymphflüssigkeit aus dem Fettgewebe verschwindet: Der Druck reduziert sich, das Gewebe ist weniger prall und die Druckempfindlichkeit des Lipödems lässt nach. Ausgeführt wird die MLD von speziell ausgebildeten Masseuren oder Krankengymnasten (Physiotherapeuten). Sie arbeiten schonend mit kreisenden Bewegungen und bestimmten Handgriffen. Besonders kräftige MLD-Griffe dürfen sie bei einem Lipödem allerdings nicht durchführen, da sonst Blutergüsse entstehen.

Kompression

Zur Kompression (= Druck) gehören zwei Bereiche: der lymphologische Kompressionsverband, auch Kompressionsbandage genannt, und Kompressionsstrümpfe. Die Kompression dient dazu, die Erfolge der MLD (Manuellen Lymphdrainage) zu erhalten, also einen Rückfluss der Lymphe ins Fettgewebe zu verhindern.

Lymphologischer Kompressionsverband

Ein lymphologischer Kompressionsverband übt genau dosierten Druck auf die Muskeln aus und unterstützt bei Bewegung den Abtransport der Lymphe. Kompressionsverbände werden besonders intensiv in Phase 1 eingesetzt, beim Lipödem allerdings erst nach einigen Tagen, wenn der größte Druck im Fettgewebe gelöst werden konnte und die schmerzhafte Druckempfindlichkeit nachlässt.

MKS: Medizinischer Kompressionsstrumpf

Wenn die akute Schwellung zurückgegangen ist, wird ein MKS (Medizinischer Kompressionsstrumpf) für Beine, Po/Hüften und gegebenenfalls die Arme verordnet. Als Patient brauchen Sie zwei Sätze, damit Sie wechseln können. Spätestens alle sechs Monate sollten Sie neue Strümpfe bekommen, damit die Strümpfe genau passen und nicht ausleiern. Wirkungsvolle Kompressionsstrümpfe müssen möglichst eng anliegen und zusammendrücken wie eine zweite Haut.

Unterscheidung verschiedener Strümpfe

Verschiedene Krankheiten machen „Strümpfe" erforderlich. Deshalb gibt es auch verschiedene Strümpfe. Hier die bekanntesten und wie sie sich unterscheiden:
Thromboseprophylaxestrumpf
Er wird auch „Stützstrumpf" genannt und ist meist weiß. Er schützt vor Thrombosen (Blutgerinnseln), deswegen müssen ihn z.B. bettlägerige Patienten im Krankenhaus tragen. Er übt nur wenig Druck auf das Gewebe aus und ist nicht für Patienten in Bewegung geeignet.
MKS: Medizinischer Kompressionsstrumpf
MKS werden bei Venenleiden, Lymphödemen und eben Lipödemen getragen. Grundsätzlich gibt es zwei Herstellungsformen, den RUND-gestrickten und den FLACH-gestrickten MKS, sowie vier Kompressionsklassen. Klasse 1 übt den wenigsten Druck aus, Klasse 4 den höchsten.
Bei Lipödemen werden grundsätzlich nur flachgestrickte MKS getragen, die nach Maß angefertigt werden, weil rundgestrickte MKS bei den extrem veränderten Körperformen eines Lipödems nicht passen. Ein flachgestrickter MKS ist an seiner Naht erkennbar (ein rundgestrickter MKS hat keine Naht). Die Anpassung muss sehr sorgfältig vorgenommen werden, weil zu wenig Druck wirkungslos ist, zu viel Druck jedoch schmerzt. Bei Lipödemen sind MKS täglich ganztägig zu tragen.

Bewegungsübungen

Spezielle Gymnastik und Bewegung beim gleichzeitigen Tragen der maßangefertigten Kompressionsstrümpfe fördert den Abtransport der Lymphe und reduziert das Lipödem. Günstig sind „ruhige" Sportarten wie Spazierengehen, Wandern (nicht Bergsteigen), Radfahren, Schwimmen. Ruckartige Bewegungen, Verletzungsrisiken und Überanstrengung sollten Sie meiden.
In Ruhe sollten Sie, soweit es möglich ist, den Körperteil mit dem Lipödem hochlagern.

Hautpflege und -schutz

Wenn Sie ein Lipödem haben, ist es ganz wichtig, dass Sie täglich Ihre Haut begutachten und sorgfältig pflegen. Schon kleine Risse oder Verletzungen bergen ein großes Infektionsrisiko, weil die Heilung infolge des gestörten Lymphabflusses sehr langwierig sein kann, Infektionen sich dagegen leicht ausbreiten. Schützen Sie deshalb bei allen Aktivitäten Ihre Haut, z.B. auch mit Handschuhen bei allen Haus-, Garten- und Handwerksarbeiten.
Benutzen Sie möglichst keine parfümierten Wasch- und Pflegeprodukte, weil diese die Haut reizen können. Bevorzugen Sie ph-neutrale Produkte. Wenn Sie Kompressionsbandagen oder -strümpfe tragen, ist die Feuchtigkeitspflege für die Haut wichtig.

Liposuktion (Fettabsaugung)

Eine Liposuktion (Fettabsaugung) kann die extrem verdickten Fettgewebeschicht eines Lipödems reduzieren. Zwei Dinge müssen hier aber grundsätzlich beachtet werden:
1. Die Liposuktion sollte nur von einem lymphologisch fortgebildeten und erfahrenen Mediziner durchgeführt werden, der schonende Methoden einsetzt, denn das ohnehin überlastete Lymphsystem darf auf keinen Fall verletzt werden.
Scheuen Sie sich als Patient nicht, den Mediziner nach seiner nachweisbaren lymphologischen Fachkompetenz zu fragen. Adressen von Ärzten, die sowohl Erfahrung in Liposuktion haben als auch lymphologisch qualifiziert sind, können Sie bei von Ihrem behandelnden Arzt oder Therapeuten erfragen.
2. Ein Lipödem ist grundsätzlich nicht heilbar. Die Krankheit ist begründet in einer krankhaften Veränderung der Fettzellen beziehungsweise des Fettgewebes und diese Veränderung lässt sich nicht wegsaugen. Seien Sie skeptisch bei Aussagen wie: „Lipödeme sind heilbar."
Was eine professionelle, schonende Liposuktion bei Lipödem aber bringen kann, ist eine Reduzierung der störenden Fettpolster: Das erkrankte Fettgewebe wird reduziert, der Druck lässt nach und die Beweglichkeit nimmt zu, Letzteres besonders, wenn Fett an den Innenseiten der Oberschenkel abgesaugt wird. Sofort nach einer Fettabsaugung muss die oben beschriebene KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) konsequent durchgeführt werden, um den Erfolg der Liposuktion zu erhalten.
Die Kosten für eine Liposuktion tragen meist die Patienten. Nur in absoluten Ausnahmefällen bei schweren körperlichen Behinderungen zahlt die Krankenkasse.

Wie wird eine Liposuktion durchgeführt?

Grundsätzlich geht es bei einer Fettabsaugung darum, Fettzellen aus dem Fettgewebe zu entfernen. Entfernte Fettzellen können nur in sehr geringem Umfang wieder „nachwachsen".
In Fachkreisen anerkannt ist heute die schonende Liposuktion mit Tumeszenz-Lokalanästhesie. Für die Behandlung wird in das betroffene Fettgewebe die Tumeszenz-Flüssigkeit gespritzt: Sie enthält ein lokales Betäubungsmittel und Substanzen, welche die Fettzellen aus dem Gewebe lösen. Nach einer Einwirkzeit werden Tumeszenzflüssigkeit und Fettzellen vorsichtig mit einer Kanüle aus dem Gewebe abgesaugt. Zum Einsatz kommen hier spezielle Vibrationskanülen, die sich fein vibrierend an den Gewebestrukturen vorbeidrängen ohne sie zu verletzen.