Lymphologicum

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Lymphödem - Behandlung

Lymphödeme sind meist nicht komplett heilbar, häufig ist eine lebenslange Therapie notwendig. Aber mit den richtigen Therapiebausteinen und Verhaltensweisen lassen sich die Probleme fast immer so weit reduzieren, dass Sie als Patient ein beschwerdefreies Leben führen können. Nachfolgend die wichtigsten Behandlungsansätze bei Lymphödemen:

KPE: Komplexe physikalische Entstauungstherapie

Die KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) ist die erfolgreichste Therapie bei vielen Lymphödemen. Das „K" im Namen steht für „Komplex" und zeigt an, dass die Therapie aus mehreren Bausteinen besteht.
Wichtig ist: Die KPE muss mit allen ihren Teilen konsequent und langfristig umgesetzt werden. Dann haben Patienten beste Chancen, beschwerdefrei zu werden. Wenn ein Teil vernachlässigt wird, verlieren auch alle anderen Teile erheblich an Wirkung.

Die KPE besteht aus zwei Phasen:

  • Initialphase (Anschubphase, Entstauungsphase): In der Regel in einer Klinik, drei Wochen lang, bei Bedarf jährlich wiederholt.
  • Erhaltungsphase: laufend. Die Häufigkeit der Therapietermine muss dem Bedarf angepasst werden.

Die KPE hat vier Bausteine:

MLD: Manuelle Lymphdrainage

Die MLD ist eine spezielle Massagetechnik („manuell" = mit den Händen), welche das Lymphsystem stimuliert, mehr Lymphe abzutransportieren und damit das Lymphödem zu reduzieren. Ausgeführt wird die MLD von speziell ausgebildeten Masseuren oder Krankengymnasten (Physiotherapeuten). Sie arbeiten schonend und langsam mit kreisenden Bewegungen und bestimmten Handgriffen.

Lymphologischer Kompressionsverband

Ein lymphologischer Kompressionsverband übt genau dosierten Druck auf die Muskeln aus und unterstützt bei Bewegung den Abtransport der Lymphe. Kompressionsverbände werden besonders intensiv in Phase 1 eingesetzt. Der Erfolg der Bandagierung ist ganz wesentlich von Ihrer Mitwirkung als Patient abhängig: Wenn Sie sich konsequent bandagieren (lassen) und dann bewegen, reduziert sich das Lymphödem.

MKS: Medizinischer Kompressionsstrumpf

Wenn die akute Schwellung zurückgegangen ist, wird ein MKS (Medizinischer Kompressionsstrumpf) für Bein(e), Po/Hüften und/oder Arm(e) verordnet. Als Patient brauchen Sie zwei Sätze, damit Sie wechseln können. Spätestens alle sechs Monate sollten Sie neue Strümpfe bekommen, damit die Strümpfe genau passen und nicht ausleiern. Wirkungsvolle Kompressionsstrümpfe müssen möglichst eng anliegen und zusammendrücken wie eine zweite Haut.

Unterscheidung verschiedener Strümpfe

Verschiedene Krankheiten machen „Strümpfe" erforderlich. Deshalb gibt es auch verschiedene Strümpfe. Hier die bekanntesten und wie sie sich unterscheiden:
MTS: Medizinischer Thromboseprophylaxestrumpf
Der MTS wird umgangssprachlich „Stützstrumpf" genannt und ist meist weiß. Er schützt vor Thrombosen (Blutgerinnseln), deswegen müssen ihn z.B. bettlägerige Patienten im Krankenhaus tragen. Er übt nur wenig Druck auf das Gewebe aus und ist nicht für Patienten in Bewegung geeignet.
MKS: Medizinischer Kompressionsstrumpf
MKS werden bei Venenleiden, Lipödemen und Lymphödemen getragen. Grundsätzlich gibt es zwei Herstellungsformen, den RUND-gestrickten und den FLACH-gestrickten MKS, sowie vier Kompressionsklassen. Klasse 1 übt den wenigsten Druck aus, Klasse 4 den höchsten.
Bei Lymphödemen ist immer ein flachgestrickter MKS nötig. Er wird nach Maß angefertigt und bei Eiweißablagerungen können notwendige Polster eingearbeitet werden. Ein flachgestrickter MKS ist an seiner Naht erkennbar. Ein rundgestrickter MKS hat keine Naht und ist bei Lymphödemen ungeeignet, weil er an Wulststellen einschneiden kann, was weh tut und den Lymphstau verstärken würde. Kompressionsstrümpfe müssen Sie jeden Tag tragen, sonst verstärkt sich das Lymphödem wieder.

Bewegungsübungen

Spezielle Gymnastik und Bewegung beim gleichzeitigen Tragen der maßangefertigten Kompressionsstrümpfe fördert den Abtransport der Lymphe und reduziert das Ödem. Günstig sind „ruhige" Sportarten wie Spazierengehen, Wandern (nicht Bergsteigen), Radfahren, Schwimmen. Ruckartige Bewegungen, Verletzungsrisiken und Überanstrengung sollten Sie meiden.
In Ruhe sollten Sie, soweit es möglich ist, den Körperteil mit dem Lymphödem hochlagern.

Hautpflege und -schutz

Wenn Sie ein Lymphödem haben, ist es ganz wichtig, dass Sie täglich Ihre Haut begutachten und sorgfältig pflegen. Schon kleine Risse oder Verletzungen bergen ein großes Infektionsrisiko, weil die Heilung infolge des Lymphödems sehr langwierig sein kann, Infektionen sich dagegen leicht ausbreiten.
Achten Sie insbesondere auf Hände und Füße, gehen Sie draußen nicht barfuß und tragen Sie Handschuhe, zum Beispiel bei Haus-, Garten- und Handwerksarbeiten. Führen Sie die Fuß- und Fingernagelpflege vorsichtig durch oder suchen Sie eine Fußpflege auf.
Benutzen Sie möglichst keine parfümierten Wasch- und Pflegeprodukte, weil diese die Haut reizen können. Bevorzugen Sie ph-neutrale Produkte. Wenn Sie Kompressionsbandagen oder -strümpfe tragen, ist die Feuchtigkeitspflege für die Haut wichtig.