Lymphologicum

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Lip...

Die Silbe „Lip" oder „Lipo" bedeutet im medizinischen Bereich immer Fett. Fett ist lebenswichtig, aber zu viel Fett ist ebenso ungesund wie zu wenig Fett. Für Notzeiten und große Belastungen braucht der Körper Energiereserven, diese werden im Fettgewebe gespeichert. Zudem hat das Fettgewebe noch andere Aufgaben, z.B. für die Hormonproduktion.
Das Fettgewebe bildet die unterste Schicht der Haut. Es besteht ganz wesentlich aus Fettzellen. Deren herausragende Eigenschaft ist, dass sie sich stark vergrößern und wieder verkleinern können, je nach Nahrungsangebot.
Frauen sind weit üppiger mit Fettdepot-Möglichkeiten ausgestattet als Männer. Aus Sicht der „Arterhaltung" ist das auch sinnvoll, denn um Kinder zu bekommen, müssen sie ausreichend „gepolstert" sein für neun Monate Schwangerschaft und das Stillen der Kinder.
Beim Lipödem schwellen diese Fettdepots übermäßig an, aber nicht, weil die Patientin zu viel isst und sich deshalb die Fettzellen vergrößern, sondern weil das Fettgewebe krankhaft verändert ist. Wie genau diese Veränderungen entstehen und aussehen, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.
Sicher scheint, dass die Fettzellen verändert sind und sich in den Räumen zwischen den Zellen Flüssigkeit staut. Das darf normalerweise nicht sein, denn das Fettgewebe verfügt nicht über Lymphgefäße, welche die Flüssigkeit wieder abtransportieren könnten. Da fast nur Frauen und die typisch weiblichen Reserveregionen von Lipödemen betroffen sind, wird ein Zusammenhang mit dem Hormon Östrogen vermutet.

Lipolymphödem

Ein Lipolymphödem entsteht, wenn zu viel Fettgewebe auf das Lymphsystem drückt. Der Abtransport der Lymphe wird erschwert, die Lymphe staut sich, ein Lymphödem entsteht. Ein Lipolymphödem entsteht nicht selten, wenn ein Lipödem lange unbehandelt bleibt.

Lipom

Ein Lipom ist eine Fettgewebsvermehrung an einer Stelle des Körpers, Lipome können auch an mehreren Stellen auftreten (multiple Lipome). Sie sind meist rundlich und weich und schmerzen nicht. Lipome sind in der Regel gutartig und müssen nur entfernt werden, wenn sie optisch stark stören, schmerzen, oder die Beweglichkeit einschränken. Wer Lipome entfernen lässt, sollte sich an einen erfahrenen Operateur wenden: Dann bleiben nur sehr kleine Operationsnarben zurück.

Liposuktion (Fettabsaugung)

Eine Liposuktion (Fettabsaugung) kann die extrem verdickten Fettgewebeschicht eines Lipödems reduzieren. Zwei Dinge müssen hier aber grundsätzlich beachtet werden:
1. Die Liposuktion sollte nur von einem lymphologisch fortgebildeten und erfahrenen Mediziner durchgeführt werden, der schonende Methoden einsetzt, denn das ohnehin überlastete Lymphsystem darf auf keinen Fall verletzt werden.
Scheuen Sie sich als Patient nicht, den Mediziner nach seiner nachweisbaren lymphologischen Fachkompetenz zu fragen. Adressen von Ärzten, die sowohl Erfahrung in Liposuktion haben als auch lymphologisch qualifiziert sind, können Sie bei von Ihrem behandelnden Arzt oder Therapeuten erfragen.
2. Ein Lipödem ist grundsätzlich nicht heilbar. Die Krankheit ist begründet in einer krankhaften Veränderung der Fettzellen beziehungsweise des Fettgewebes und diese Veränderung lässt sich nicht wegsaugen. Seien Sie skeptisch bei Aussagen wie: „Lipödeme sind heilbar."
Was eine professionelle, schonende Liposuktion bei Lipödem aber bringen kann, ist eine Reduzierung der störenden Fettpolster: Das erkrankte Fettgewebe wird reduziert, der Druck lässt nach und die Beweglichkeit nimmt zu, Letzteres besonders, wenn Fett an den Innenseiten der Oberschenkel abgesaugt wird. Sofort nach einer Fettabsaugung muss die oben beschriebene KPE (Komplexe Physikalische Entstauungstherapie) konsequent durchgeführt werden, um den Erfolg der Liposuktion zu erhalten.
Die Kosten für eine Liposuktion tragen meist die Patienten. Nur in absoluten Ausnahmefällen bei schweren körperlichen Behinderungen zahlt die Krankenkasse.

Wie wird eine Liposuktion durchgeführt?

Grundsätzlich geht es bei einer Fettabsaugung darum, Fettzellen aus dem Fettgewebe zu entfernen. Entfernte Fettzellen können nur in sehr geringem Umfang wieder „nachwachsen".
In Fachkreisen anerkannt ist heute die schonende Liposuktion in Tumeszenz-Lokalanästhesie. Für die Behandlung wird in das betroffene Fettgewebe die Tumeszenz-Flüssigkeit gespritzt: Sie enthält Kochsalz und verschiedene Lokalanästhetika für die Schmerzfreiheit während des Eingriffs und Auflockerung der Fettzellen.
Nach einer Einwirkzeit werden Tumeszenzflüssigkeit und Fettzellen vorsichtig mit einer Kanüle aus dem Gewebe abgesaugt. Zum Einsatz kommen hier spezielle Vibrationskanülen, die sich fein vibrierend an den Gewebestrukturen vorbeidrängen ohne sie zu verletzen. Die Kanülen schwingen ca. 5000mal pro Minute. Sie werden durch kleine Schnitte (max. 2cm) in die Haut eingebracht.

Nachbehandlung:

  • Kompression für 6 Wochen Tag und Nacht
  • Nach 5 Tagen Beginn der erneuten Manuellen Lymphtherapie
  • 4 Wochen postoperativ kann wieder mit Sport begonnen werden
  • Ernährungsberatung sollte unbedingt erfolgen,
    um Fettablagerungen an anderen Stellen zu verhindern

Kontaindikation:

  • Herz-Kreislaufstörungen
  • Hyperthyreose
  • Gerinnungsstörungen
  • Nieren- und Lungenerkrankungen
  • Allergie gegen Lokalanästhetika

Lymphe

Die Lymphe (Lymphflüssigkeit) ist eine hellgelbe Flüssigkeit, die Eiweiße, Fette, Wasser und Immunzellen transportiert. Der Name kommt aus dem Lateinischen: lympha bedeutet klares Wasser, Quellwasser.

Lymphknoten

Lymphknoten liegen an strategischen Stellen im Lymphsystem, in der Regel dort, wo mehrere Lymphgefäße zusammenkommen. In den Lymphknoten werden Bakterien und andere Krankheitserreger erkannt und die notwendigen Antikörper produziert.
Das Lymphsystem hat also zentrale Abwehr- und Reinigungsfunktionen für den Körper.

Lymphödem

Per Definition ist ein Lymphödem eine Flüssigkeitsvermehrung im Gewebe als Folge einer verminderten Lymphtransportkapazität des Körpers durch Schädigung der Lymphgefäße oder Lymphknoten. Diese Schädigungen können einerseits primär, von Geburt an, vorliegen.
Bei den primären Lymphödemen werden nochmals unterschiedliche Formen unterschieden. Es gibt die sogenannten erblich bedingten (heriditären) Lymphödeme, die entweder von Geburt an oder in der Pubertät auftreten.
Das sogenannte sporadische primäre Lymphödem kann ebenfalls von Geburt an bestehen oder im weiteren Verlauf des Lebens auftreten, hier liegt aber keine erblich bedingte Form vor. Das sogenannte sekundäre Lymphödem tritt in Folge von Operationen, Bestrahlungen oder Krebserkrankungen auf. Das bedeutet, dass das Lymphgefäßsystem durch die oben genannten Geschehnisse zerstört oder nur noch eingeschränkt funktionsfähig ist.
Die Folgen eines Lymphödems sind häufig lebenslange Beschwerden in Form von Schwellung, Schweregefühl, Bewegungsbehinderung, Leistungsverminderung, Spannungsschmerzen und psychischen Belastungen.

Mehr zu diesem Thema in unserer Lymphopedia unter Lymphödem.

Lymphologischer Kompressionsverband

Der lymphologische Kompressionsverband (LKV) ist das Medium mit dem in der Lymphtherapie in der Phase I der Komplexen Physikalischen Entstauungstherapie (KPE) die Kompressionstherapie durchgeführt wird.

Er besteht aus mehreren Lagen. Diese mehreren Lagen ermöglichen einen gezielten und konstanten Druckverlauf. Die unterste Lage, direkt auf der Haut besteht meist aus einem Baumwollschlauch, er kann Schweiß aufnehmen und wird aus hygienischen Gründen häufig ausgewechselt. Bei einigen modernen Polstermaterialien ist dieser Baumwollschlauch schon eingearbeitet. Die zweite Lage des lymphologischen Kompressionsverbandes besteht aus Polstermaterial. Dieses Material sorgt für einen gleichmäßigen Druckverlauf und erhöht den Tragekomfort. Gleichzeitig verhindert er die übermäßige Faltenbildung und somit ein Einschnüren im Bereich von Gelenken. Diese Materialien können bereits einen milden Kompressionsdruck ausüben. Durch den gezielten Einsatz von unebene Oberflächen, in Form von geriffelten oder gerippten Schaumstoffen welche in den Verband integriert werden, können bestehende Verhärtungen (lymphostatische Fibrosen) gelockert werden.

Die letzte Lage besteht aus kurzzugigen Kompressionsbinden in verschiedenen Breiten. Finger bzw. Zehen werden mit Mullbinden bandagiert um die Beweglichkeit weiterhin zu ermöglichen. Sie erhöhen deutlich den Kompressionsdruck wenn die Muskulatur der bandagierte Extremität angespannt wird (Arbeitsdruck) wohingegen bei erschlaffter Muskulatur z. B. in Ruhe oder in der Nacht, der Kompressionsdruck deutlich sinkt (Ruhedruck). Diese unterschiedlich breiten Binden können mit verschiedenen Techniken angelegt werden. Der Kompressionsdruck muss kontinuierlich von körperfern zu körpernah abnehmen. Um Verletzungen vorzubeugen sollte der Abschluss des Verbanden nicht mit den vorhandenen Verbandsklammern sondern mit einem breiten Klebepflaster befestigt werden. Dieser Aufbau des Kompressionsverbandes ermöglicht einen hohen Tragekomfort und eine Anlagezeit von bis zu 24 Stunden.

In der Phase 2 / Erhaltungs- und Optimierungsphase erfolgt die Kompressionstherapie mit maßgefertigten, flachgestrickten Kompressionsstrümpfen.

Lymphsystem

Das Lymphsystem wird auch Lymphgefäßsystem oder lymphatisches System genannt. Es ist für den Körper genauso wichtig wie das Herz-Kreislauf-System, ist aber im Allgemeinen weit weniger bewusst und bekannt. Das Lymphsystem ist hauptsächlich für den Abtransport von Flüssigkeit, Eiweiß und Stoffwechselresten aus dem Gewebe verantwortlich. Wenn es nicht richtig funktioniert, kommt es zu dem, was landläufig als „Wasser" im Gewebe bezeichnet wird. Das Gewebe füllt sich, wird dick, sieht aus wie geschwollen: ein Lymphödem.
Das Lymphsystem verläuft ähnlich wie das Venensystem von den äußersten Enden des Körpers Richtung Herz. In der Nähe des Herzens mündet es in das Venensystem.